Die Ernährungswende selbst in die Hand nehmen

Wir wollen den gegenwärtigen klimatischen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen, die entlang der Lebensmittelkette auftreten mit gezielten Investitionen begegnen.

Nahrungsmittelproduktion innerhalb planetarer Grenzen

Die planetaren Grenzen sind überschritten

Unsere Lebensmittelproduktion gilt als ein Treiber für die Überschreitung planetarer Grenzen. Darunter werden ökologische Grenzen der Erde verstanden, deren Über­schreitung die Stabilität des Öko­systems der Erde und damit das weitere Überleben der Menschheit gefährden. Die weltweite Nahrungs­mittelproduktion trägt maßgeblich zu fünf dieser Grenzen bei [1]: zu  Klimawandel, dem Verlust der Biodi­versität, Überdüngung, Störung des Wasser­kreislaufs und Landnutzungs­änderungen.

Die Land- und Ernährungswirtschaft als ein Treiber

Das Agrar- und Ernährungssystem verur­sacht bis zu 42 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, die sich zusam­mensetzen aus Emissionen aus der Nahrungsmittelproduktion, der Land­nutzungsänderungen, Verpackung, Transport und Konsum [2]. In Deutschland entfallen rund 10 Prozent der Gesamt­­emissionen auf die Landwirtschaft [3].

Neue Wege werden erprobt und gegangen

Doch einige Landwirtschaftsbetriebe und Lebensmittelunternehmen zeigen, dass es auch anders geht: durch Anbaume­thoden, die Kohlenstoff im Boden spei­chern, auf chemischen Input wie Nitratdünger oder Pestizide verzicht­en, Wasser sparsam verwenden, Biodiversität sichern und so nachhaltige Lebensmittel produzieren.

Landwirt*innen und Unternehmer*innen, die diesen Weg gehen, wollen wir unterstützen – in dem wir ihnen Kapital aus Bürger*innenaktien zur Verfügung stellen.


1. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, EAT-Lancet-Report: Ernährungssysteme überschreiten planetare Grenzen – Transformation kann Gesundheit und Gerechtigkeit fördern

2. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Klimawandel und Agrar- & Ernährungssysteme 

3. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Emissionen der Landwirtschaft: Welche Treibhausgase entstehen in der Landwirtschaft und wie viel?

Mehr regionale Wertschöpfungsketten ermöglichen

Vom Acker bis zum Teller

Wertschöpfungsketten umfassen alle Schritte eines Lebensmittels vom Acker über Verarbeitung, Lagerung und Trans­port bis hin zum Verkauf.

Strukturen sind verloren gegangen

Mit fortschreitender Industrialisierung haben regionale kleinteilige Strukturen der Lebensmittelverarbeitung, wie Mühlen, Molkereien, Metzgereien, Gemüse- und Kartoffelverarbeitung sowie weitere Betriebe des Lebensmittel­handwerks drastisch abgenommen. Eine Studie von 2025 beziffert den Rückgang dieser Betriebe zwischen 2002 und 2022 auf 44 Prozent. Diese Entwicklung ist auch in Brandenburg insbesondere bei regionalen Schlacht­höfen sowie Mahl- und Schälmühlen sehr deutlich. Im Bio-Bereich fehlen außerdem Betriebe der Gemüse­verarbeitung, z. B. um Groß­küchen in Berlin zu beliefern. Das er­schwert eine regionale Versorgung mit vielfältigen und nachhaltigen Lebens­mitteln. Die Versorgungsengpässe der letzten Jahre durch Corona sowie Kriege in der Ukraine und dem Iran haben einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig es ist, die regionale Lebensmittelproduktion zu erhalten. 

Bestehende Betriebe stärken und Lücken schließen

Wir investieren Bürger*innenkapital in regionale Verarbeitungsbetriebe, die Lücken in regionalen Wertschöpfungs­ketten schließen und zu Perspektiven in ländlichen Räumen beitragen.


1. Branchenanalyse Backgewerbe (inklusive Mühlenwirtschaft) 

Faire Arbeit im Agrar- und Ernährungssektor unterstützen

Fachkräfte fehlen, und das ist in der Branche spürbar

Ob Landwirtschaft, Gärtnerei, Lebensmittelhandwerk oder Imkerei – eine bedarfsdeckende regionale Lebensmittel­versorgung funktioniert nur mit ausreichend Fachkräften. Doch genau daran fehlt es bundesweit in der Agrar-, Ernährungs- und Gartenbaubranche zunehmend [1].

In Berlin-Brandenburg ist die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft zwischen 2020 und 2023 um rund 15 Prozent gesunken [2]. Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor einem Generationen­wechsel ohne Nachfolge.

Das alles hat Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion und Bereitstel­lung guter Lebensmittel hier in der Region. Wertschöpfungsketten geraten unter Druck und damit auch die zunehmende Selbstversorgung mit guten regionalen Lebensmitteln.

Gegen den Fachkräftemangel und für mehr junge Menschen in der Land- und Ernährungswirtschaft

Dennoch gibt es Menschen, die sich für die Arbeit in der Land- und Ernährungs­wirtschaft entscheiden, nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln, regionale Strukturen aufbauen wollen und dabei auf faire Arbeitsbedingungen setzen.

Mit den Bürger*innenaktien wollen wir diese Menschen in ihrer Motivation unter­stützen und Zugang schaffen zu Kapital und Wissen durch den Austausch zwischen den Partnerbetrieben im Regionalwert-Netzwerk.


1.VDL-Bundesverband, Fach- und Führungskräftebedarf in den Branchen Agrar, Ernährung und Gartenbau

2. Agrarbericht des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Bürger*innen Mitgestaltungsmöglichkeit bieten

Wenige Konzerne mit großem Einfluss

Sowohl in der Landwirtschaft als auch im Handel setzen sich zunehmend große Konzerne durch und der Anteil kleinerer Strukturen nimmt ab. In der Landwirt­schaft ist ein wesentlicher Treiber, dass zunehmend außerlandwirtschaftliche Investoren Land erwerben. Im Einzel­handel wird das Angebot immer stärker durch große Handelskonzerne bestimmt. Der Naturkostfachhandel gerät aufgrund von Bio-Eigenmarken der Handels­gruppen weiter unter Druck und in Konkurrenz um Kund*innen. 

Potenzial für heimischen Bio-Landbau nicht ausgeschöpft

Nach einem kurzen Umsatzrückgang im Jahr 2022 wächst der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland wieder stetig: zuletzt um 10 Prozent im Jahr 2025 auf mittlerweile insgesamt 18 Milliarden Euro. Damit verbunden sind mittlerweile fast 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Sorgen macht allerdings, dass das Wachstum der heimischen Bio-Landwirt­schaft sehr viel geringer ausfällt, so dass der Lebensmittelhandel zunehmend Bio-Produkte wie Möhren, Zwiebeln, Milch, Butter und Fleisch importiert. Hier werden Chancen für eine Wachstumsbranche verpasst!

Bürger*innen können dazu beitragen, dass diese Potenziale besser ausgeschöpft werden.

1. Bauernzeitung, Boden in Ostdeutschland: Bis zu 37 % Fläche in Holding-Hand

2. Lebensmittelpraxis, Mehr Umsatz mit Bio-Lebensmitteln erreicht

3. Deutschlandfunk, Umsatz mit Bio-Produkten in Deutschland wächst weiter – Händler aber zunehmend auf Importe angewiesen


 

Mitgestalten und Verantwortung übernehmen

Die Regionalwert AG bietet Bürger*innen die Möglichkeit, gezielt Partnerbetriebe zu unterstützen, die unsere regionalen, ökologischen und sozialen Kriterien erfüllen. Dadurch entsteht eine konkrete Mitgestaltungsmöglichkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zu den Lebensmitteln, die auf dem eigenen Teller landen.

Bürger*innenkapital in zukunftsfähige Lebensmittelversorgung investieren

Bürger*innenkapital wirksam einsetzen

Eine zukunftsfähige Ernährung entsteht nur im Zusammenspiel: Produktion land­wirtschaftlicher Erzeugnisse, Lagerung, Aufbereitung, Logistik, Handel und eine stabile Nachfrage müssen inein­andergreifen. Dafür braucht es Knowhow, funktionierende Strukturen und Investitionen.

Hier setzt die Regionalwert AG an: Unser Konzept ist es, die Agrar- und Ernährungs­wende mitzugestalten, indem wir Betriebe und Unternehmen entlang der Lebens­mittelkette über Bürger*innen­aktien finanzielle Unterstützung bieten. Dabei geht es darum, gezielt jene Unter­nehmen und Betriebe zu unterstützen, die:

  • regional angesiedelt sind
  • ökologisch wirtschaften
  • jung sind
  • eine sozial ausgerichtete Personal- und Betriebsführung verfolgen

Die Regionalwert AG möchte dadurch einen alternativen und nachhaltigen Gegenentwurf schaffen zu den gegen­wärtigen Entwicklungen in der Land­wirtschafts- und Ernährungsbranche, die Raubbau an Menschen und Natur betreiben.

 

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