KIWERTa - Kichererbsen aus Brandenburg

 

3 Jahre Wertschöpfungskettenaufbau - von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Handel und zur Gastronomie

gefördert durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB)

Als KIWERTa 2023 startete, gab es in Brandenburg nur einige wenige Versuchsanbauten

Was bislang fehlte:

  • regionales Wissen
  • geeignete Infrastruktur
  • Absatzwege
    & das Bewusstsein dafür, dass die Kichererbse hier überhaupt eine Zukunft haben könnte. 

Entsprechend groß waren die Fragezeichen: Welche Sorten funktionieren? Wie trocken muss das Saatbett sein? Welche Saattiefe ist optimal? Wie lässt sich die empfindliche Kultur ernten und trocknen? Und wer nimmt die Ernte eigentlich ab?

Drei Jahre später zeigt sich ein völlig anderes Bild. Noch sind nicht alle Lücken geschlossen, aber es ist gelungen, ein Fundament zu legen, auf dem in den kommenden Jahren aufgebaut werden kann. Das betrifft den Anbau genauso wie die Aufbereitung, die Verarbeitung, die Vermarktung und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Kette.

Was mit KIWERTa erreicht wurde

Ein zentraler Baustein von KIWERTa war der Aufbau des Kichererbsen-Rings, den wir gemeinsam mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) etabliert haben. Dieses Netzwerk hat es erstmals ermöglicht, landwirtschaftliche Betriebe aus Brandenburg und umliegenden Regionen in einen strukturierten Austausch zu bringen und ihre Anbauerfahrungen systematisch zu bündeln. Ohne die wissenschaftliche Begleitung und den kontinuierlichen Austausch mit dem ZALF wäre dieser Aufbau in dieser Qualität nicht möglich gewesen. Ein großer Dank geht deshalb ausdrücklich an das ZALF-Team für die fachliche Unterstützung, die Datenauswertung und die enge Zusammenarbeit.

Durch den Kichererbsen-Ring konnte die Kultur über drei Jahre hinweg unter sehr unterschiedlichen Bedingungen beobachtet werden. Die Anbaufläche ist dabei von rund 50 Hektar im Jahr 2023 über etwa 90 Hektar im Jahr 2024 auf rund 130 Hektar im Jahr 2025 gewachsen. Diese Entwicklung zeigt das große Interesse der Betriebe – aber sie macht auch sichtbar, wie unterschiedlich die Kultur je nach Standort und Jahresverlauf reagieren kann.

Die gesammelten Daten und Beobachtungen zeichnen ein vielschichtiges Bild: Von Totalausfällen in Jahren mit ungünstigen Frühjahrsbedingungen bis hin zu stabilen Erträgen von bis zu 2,5 Tonnen pro Hektar war alles dabei. Gerade diese Spannbreite macht deutlich, dass der Anbau der Kichererbse im nordostdeutschen Raum weiterhin eine Herausforderung ist. Viele Faktoren, etwa Saatbett, Saattiefe, Niederschläge zur richtigen Zeit, Schädlingsdruck oder Sorteneignung, greifen stark ineinander. Trotz aller Fortschritte lässt sich der Anbau noch nicht „durchplanen“ – und genau deshalb bleibt die Weiterentwicklung des Rings so wichtig.

Aus den bisherigen Jahresverläufen konnten dennoch erste regionale Empfehlungen abgeleitet werden: zu geeigneten Saatfenstern, zu sinnvoller Saattiefe, zu Sorten, die unter trockenen Bedingungen Vorteile zeigen, oder zu Bestandesführungsstrategien. Diese Empfehlungen bieten landwirtschaftlichen Betrieben heute eine Grundlage, die es zu Projektbeginn schlicht nicht gab. Gleichzeitig müssen sie als Zwischenstand verstanden werden. Der Anbau der Kichererbse ist in Brandenburg weiterhin in der Entwicklung und braucht zusätzliche Versuchsjahre, um verlässlichere Aussagen treffen zu können.

Eine wichtige Beobachtung im Projektverlauf war das regelmäßige Auftreten einer roten Kichererbse, die sich innerhalb der angebauten Sorten wiederholt gezeigt hat. Sie hat in mehreren Jahren stabilere Leistungen erzielt und wurde von verarbeitenden Betrieben sensorisch durchweg positiv bewertet. Ihre besondere Farbe kommt bei Kundinnen und Kunden gut an und eröffnet zusätzliche Vermarktungschancen. Sie stellt damit ein Qualitätsmerkmal dar, das sich in der Region weiterentwickeln lässt – ohne jedoch bereits ein eigener Sortentyp zu sein.

Insgesamt lässt sich festhalten: Der Kichererbsen-Ring hat den Wissensstand zum Anbau erheblich erweitert, aber der Lernprozess ist noch nicht abgeschlossen. Der Aufbau regionaler Anbaukompetenz bleibt eine Aufgabe der nächsten Jahre – und er lebt von genau dem, was dieses Netzwerk ausmacht: gemeinsames Beobachten, Vergleichen, Lernen und Weiterentwickeln.

Die Aufbereitung war während der gesamten Projektlaufzeit ein entscheidender Engpass innerhalb der Wertschöpfungskette. Zwar existieren in Deutschland grundsätzlich Anlagen, die Kichererbsen für die Humanernährung aufbereiten können, diese befinden sich jedoch nicht in Brandenburg und sind in ihrer Kapazität oder technischen Ausrichtung nicht auf die kleinteiligeren regionalen Mengen ausgelegt, die zu Beginn des Projektzeitraums zur Verfügung standen. Für viele Betriebe bedeutete das, dass die verfügbare Infrastruktur weder räumlich nah genug noch wirtschaftlich sinnvoll nutzbar war.

Um eine Perspektive für eine zukünftige regionale Aufbereitung zu entwickeln, haben wir im Rahmen des Projekts den Austausch zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und bestehenden Aufbereitern intensiv gefördert. Ziel war es, die Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette erstmals präzise zu formulieren: Welche Reinigungstiefe ist notwendig? Wie eng müssen Kalibrierungen sein? Welche Rolle spielt die Farbsortierung? Und vor allem: Welche Arbeitsschritte müssen auf welcher Stufe der Wertschöpfungskette angesiedelt sein?

Im Projektverlauf wurden mehrere Aufbereitungsanlagen besucht und analysiert – sowohl in Brandenburg als auch in benachbarten Regionen. Ergänzend wurde eine Masterarbeit betreut, die die bestehenden technischen Möglichkeiten systematisch ausgewertet und die Anforderungen an eine zukünftige regionale Aufbereitung wissenschaftlich aufgearbeitet hat. Ein wichtiges Ergebnis dabei war die Klärung der Verantwortlichkeiten und Abläufe: Die technische Trocknung der Kichererbse direkt nach der Ernte liegt klar beim landwirtschaftlichen Betrieb und kann nicht an die Aufbereitung ausgelagert werden. Erst ab einer bestimmten Restfeuchte kann eine Aufbereitungsanlage die weiteren Schritte übernehmen.

Die Verarbeitung regionaler Kichererbsen befand sich zu Projektbeginn in einem ähnlichen Zustand wie der Anbau: Es gab kaum Erfahrungen damit, wie sich die hier erzeugten Chargen in verschiedenen Anwendungen verhalten. Die verarbeitenden Partnerbetriebe haben deshalb im Rahmen des Projekts sehr praxisnah begonnen, regionale Kichererbsen in ihre bestehenden Prozesse einzubinden und auszuprobieren, welche Qualitäten sich für welche Produkte eignen.

Ein besonders wertvoller Bestandteil dieser Arbeit war, dass sich mehrere Betriebe aktiv in der Direktvermarktung ausgetobt haben. Sie entwickelten und testeten Produkte wie Falafelmischungen, verschiedene Kichererbsenmehle, Fertigbolognese, Aufstriche sowie fertige Eintöpfe und Currys. Diese Produktversuche waren keine theoretischen Tests, sondern fanden unter realen Bedingungen statt – mit echten Chargen, echten Kundinnen und Kunden und echtem Marktkontext. Dadurch wurde sehr früh sichtbar, wo regionale Kichererbsen gut funktionieren und wo es Grenzen gibt.

Parallel dazu haben wir begonnen, unterschiedliche Sorten und ihre Verarbeitbarkeit systematisch zu prüfen. Dabei ging es darum herauszufinden, wie sich Sorten hinsichtlich Kochzeiten, Konsistenz, Geschmack, Biss, Farbe und technologischem Verhalten unterscheiden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sorten teilweise sehr unterschiedlich reagieren – sowohl zwischen den Sorten selbst als auch zwischen verschiedenen Erntejahren. Manche Sorten eignen sich deutlich besser für Falafel oder Eintöpfe, andere für Aufstriche oder Mehle, während einige Chargen bei bestimmten Anwendungen an ihre Grenzen kommen.

Genau diese Sorten- und Chargenabhängigkeit führt dazu, dass weiterhin großer Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht. Viele grundlegende Fragen sind noch offen, etwa wie sich regionale Sorten stabilisieren lassen, welche Qualitäten für welche Produkte am verlässlichsten funktionieren und wie Rezepturen langfristig an regionale Ware angepasst werden können. Auch die Verbindung zur Aufbereitung bleibt entscheidend, da Kaliber, Feuchte und Homogenität maßgeblichen Einfluss auf die Verarbeitung haben.

Was das Projekt aber eindeutig geleistet hat, ist die Herstellung eines echten Austauschs zwischen Erzeugung und Verarbeitung. Die Rückmeldungen der Partnerbetriebe helfen heute dabei, Sortenwahl, Ernteparameter und Aufbereitung gezielter auszurichten. Gleichzeitig können Verarbeiterinnen und Verarbeiter realistischer einschätzen, welche Qualitäten regional verfügbar sind und welche Variabilität eine junge Wertschöpfungskette naturgemäß mit sich bringt.

Während es zu Beginn des Projektes kaum Absatzmöglichkeiten für regionale Kichererbsen gab, wurden im Verlauf von KIWERTa nach und nach tragfähige Vermarktungswege aufgebaut. Viele dieser Wege entstanden aus direkten Kontakten zwischen Betrieben, aus Gesprächen auf Veranstaltungen oder aus gezielten Vernetzungsmaßnahmen im Projekt.

Die regionale Kichererbse fand zunächst ihren Weg in die Direktvermarktung und in Hofläden, bevor Gastronomie, Unverpacktläden und die Gemeinschaftsverpflegung Interesse zeigten. Besonders die rote Kichererbse wurde schnell zu einem Produkt mit Wiedererkennungswert. Ihre Farbe und sensorische Qualität haben zu einer positiven Resonanz geführt, die sich in der Nachfrage widerspiegelte.

Ab 2025 konnten alle verfügbaren regionalen Mengen vollständig vermarktet werden. Das ist ein wichtiger Meilenstein, denn es zeigt, dass die Nachfrage da ist – auch ohne voll ausgebaute Aufbereitungsstruktur und ohne große Absatzvolumina. Gleichzeitig hat die Vermarktungsanalyse gezeigt, dass regionale Ware preislich deutlich über Importware liegt. Dieser Preisabstand ist einer der größten strukturellen Hemmnisse für eine breite Marktdurchdringung und erfordert langfristig höhere Erträge, stabilere Qualitäten und effizientere Aufbereitung.

Ein wesentlicher Erfolg von KIWERTa war der kontinuierliche Aufbau eines lebendigen Netzwerks entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zu Beginn des Projekts gab es nur wenige Betriebe, die sich überhaupt mit der Kichererbse beschäftigten. Über die drei Jahre hinweg ist daraus ein stetig wachsender Kreis aus landwirtschaftlichen Betrieben, Verarbeitern, Handelspartnern, Forschungseinrichtungen, Beratungsstellen und interessierten Akteuren geworden. Viele dieser Kontakte entstanden durch gemeinsame Feldtage, Workshops, Betriebsbesuche und thematische Arbeitsrunden und führten zu einem regelmäßigen und vertrauensvollen Austausch.

Das Kichererbsen-Forum, das Anfang 2025 erstmals durchgeführt wurde, hat sich dabei nicht als „bundesweite Plattform“ im klassischen Sinn etabliert, aber als ein sehr wertvoller Begegnungsort für die Menschen, die sich in Deutschland mit der Kichererbse beschäftigen.

Innerhalb des Netzwerks entstanden im Projektverlauf verschiedene Formen der Zusammenarbeit – teils sehr konkret, etwa in Form gemeinsamer Produktentwicklungen, Erprobungen oder Austausch zu Sorten und Qualitäten, teils informeller und eher als gegenseitige Unterstützung. Diese Verbindungen sind kein fertiges Kooperationssystem, aber sie bilden einen ersten, wichtigen sozialen Kern für langfristige regionale Wertschöpfungsketten, die weiter wachsen können.

Die Öffentlichkeitsarbeit hat zusätzlich dazu beigetragen, die Kichererbse in der Region sichtbarer zu machen. Mit über 40 Veranstaltungen pro Jahr, Messeauftritten, Fachbeiträgen und Medienberichten wurde das Thema in die Breite getragen und erreichte sowohl Fachpublikum als auch interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher. Dabei zeigte sich, dass das Thema regionale Eiweißpflanzen ein wachsendes Interesse weckt und dass der persönliche Austausch – auf dem Acker oder in der Küche – eine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung des Themas spielt.

Insgesamt hat KIWERTa keine fertigen Kooperationsstrukturen geschaffen, aber es hat ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut und Menschen miteinander in Kontakt gebracht, die sonst nicht zusammengekommen wären. Genau dieser kontinuierliche Austausch ist eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dass die Wertschöpfungsketten auch nach Projektende weiter zusammenwachsen können.

Projektkoordinatorin KIWERTa

Isabella Krause hat das Projekt Kiwerta bis Ende 2025 koordiniert und den regionale Wertschöpfungsketteaufbau der Kichererbse in Brandenburg vorangetrieben. Seit Anfang 2026 arbeitet sie u.a. als Wertschöpfungskettenentwicklerin für Spezial- und Nischenkulturen (Region Nordost) für die Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH und leistet somit weiterhin wichtigen Wertschöpfungskettenaufbau u.a. für die Kichererbse. 

 

Isabella Krause

Tel.: 08253 – 99 70 20 - 66
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